Armenien

Mit einem freundlichen “welcome” werden wir vom Grenzposten empfangen. Auch die armenischen Hunde begrüssen uns bellend. Wir haben gelernt blitzschnell vom Velo zu steigen, was die beste Methode gegen die angreifenden Hunde ist. Sobald wir stoppen, sind wir nicht mehr spannend.

Am ersten Abend in Armenien kampieren wir. Kaum haben wir das Brennholz zusammen, stört ein kalbsgrosser, bellender Hund unseren friedlichen Abend. Mit einer Überraschungsattacke versuchen wir ihn zu verscheuen, aber was in Albanien mit einem Hunderudel einst geklappt hatte, funktioniert hier nicht. Wir erinnern uns an den Bärenmann „Reno Sommerhalder” und wechseln die Strategie, indem wir beruhigend mit dem Hund sprechen. Nach einer ganzen Stunde geduldigem Zusprechen, was für ein schöner, lieber und braver Hund er sei, haben wir es geschafft! Der Hund beruhigt sich und schläft seelenruhig einen Meter neben unserem Zelt ein. Zum Tanz wie im Film „Der mit dem Wolf tanzt” wäre es bestimmt noch gekommen 🙂

Die Strasse M3 nach Wanadsor ist eine einzige Baustelle. Wir kämpfen uns durch eine staubige Schotterpiste. Müde kommen wir in Wanadsor an. Erst jetzt erinnern wir uns, dass wir über den schlechten Zustand dieser Strasse gelesen haben. Tja, kann passieren. Wir sind froh, dass wir in Wanadsor angekommen sind. In den schönen Cafes trinken wir Tee, kurieren unsere Erkältung aus und warten einmal mehr auf schöneres Wetter.
Nach zwei Tagen Erholung geht es weiter in Richtung Sewan-See. Entlang dem Sewan-See kämpfen wir uns mit Gegenwind nach Martuni. Zwanzig Kilometer vor Martuni rennt ein Hund mit uns mit. Am Ziel angekommen, liegt er erschöpft neben unseren Rädern. Wir bewundern seine sportliche Halbmarathonleistung und dies gegen den stürmischen Wind. Am nächsten Morgen winselt der Hund. Es scheint, als sei er immer noch erschöpft und dass seine Pfoten noch weh tun. Trotzdem begleitet er uns tapfer, gegen unseren Rat hier zu bleiben, bei kalten Temperaturen hinauf auf den Vardenyats-Pass 2410müM. Er ist zu einem super Begleiter und Beschützer geworden. Als ein Mann Judith einen saftigen, roten Apfel schenkt, knurrt der Hund skeptisch. Ein weiterer Hund schliesst sich uns an. Nun sind wir sogar zu viert unterwegs, jedoch wird das vierte Reisemitglied von unserem Beschützer-Hund nach wenigen Kilometern wieder weggejagt. Auf der rasanten Passabfahrt kann der Hund jedoch nicht mehr mithalten und schweren Herzens verabschieden wir uns von ihm und schenken ihm noch unser letztes Stück Brot.

In Vayk warten wir einmal mehr das schlechte Wetter ab. In einem Shop treffen wir die erste englischsprechende Armenierin. Sie kann uns viele ungeklärte Fragen über Armenien beantworten. Das Warten hat sich gelohnt! Bei schönstem Herbstwetter machen wir uns auf den Weg über den Vorotan-Pass 2344müM. Die Passstrasse führt durch ein enges, wunderschönes Tal. Oben auf dem Pass werden wir mit der Aussicht auf den Ararat (höchster Berg in der Türkei 5137m) und mit einer verschneiten Landschaft belohnt.

Kurz vor Tatev geht es 600 Höhenmeter in die Tiefe und dann führt eine Zickzack-Strasse diese 600 Höhenmeter wieder hoch nach Tatev. Um dies zu umgehen, nehmen wir bequem die Schweizer Luftseilbahn und können so zwei Stunden strampeln auf dem Velo ersparen. Nach Tatev geniessen wir eine super Bikepiste in Richtung Kapan. Als ein bellender Hund von der Seite heran gerannt kommt, wird Judith durch den abrupten Stopp auf der Kiesstrasse vom Rad geschleudert. Ausser einer Schürfwunde am Knie kommt sie zum Glück Heil davon weg. Einmal mehr nerven wir uns ab den Hunden!!!

In Kapan geniessen wir ein weiteres Mal die guten und günstigen Hotels aus der Sowjetzeit. Auch hier ist es immer noch zu kalt um zu kampieren. Nach Kapan gehts auf den letzten grossen Pass, den Meghri-Pass 2535müM hinauf. Von da geht es runter nach Meghri und in Richtung Iran.

Fazit: Armenien hat uns sehr gefallen. Die Menschen sind eher zurückhaltend, aber wenn man sie näher kennen lernt sehr herzlich und hilfsbereit. Wir erlebten die Armenier, im Gegensatz zu anderen von uns gelesenen Reiseberichten, als sehr ehrlich und grosszügig. Wir hatten nur einmal das Gefühl zu viel bezahlt zu haben. Im Gegenteil, uns wurde auch immer wieder Gemüse und Früchte geschenkt. Besser als in Georgien ist die Infrastruktur. Es hat mehr Einkaufsmöglichkeiten mit frischen Produkten und mit einer grösseren, abwechslungsreicheren Auswahl. Es gibt auch vermehrt schöne Cafes und Restaurants zum Verweilen mit einer vielseitigeren Auswahl an Menus. Obwohl sie im Krieg mit Azerbaijan im Waffenstillstand sind, merkt man von dem zum Glück nicht allzu viel. In Vayk ist die Militärpräsenz jedoch sehr gross. An dieser Stelle ist Armenien von beiden Seiten von Azerbaijan umgeben und das umstrittene Bergland, Bergkarabach, liegt dort in der Nähe. Es leben mehr Armenier im Ausland als im eigenen Land. Jedoch erstaunt dies nicht, wenn man das Land bereist. Denn das Land ist extrem gebirgig mit wenig Landwirtschaftsmöglichkeiten. Zudem sind die meisten Orte sehr hoch gelegen.
Die Armenier wurden auch immer wieder aus den verschiedensten Regionen vertrieben. Der Völkermord der Türken an den Armeniern liegt noch tief in den Knochen. An Bergkarabach, das in Azerbaijan liegt, halten sie fest und werden dies wahrscheinlich nie aufgeben. Aus unserer Sicht ist dies verständlich, da doch die meisten Bewohner dort Armenier sind und dieses Land einst durch Stalin an Azerbaijan verschenkt wurde. Der Konflikt wird sich wohl nie lösen. Der Stand der Armenier ist sehr schwierig, da Armenien keine Bodenschätze hat. Im Gegensatz dazu geniesst Azerbaijan ein grosses Weltinteresse, da sie sehr viel Oel haben und sich mit tollen Geschenken im Europarat immer wieder Ansehen erkaufen. Wir hoffen jedoch sehr, dass sich dieser Konflikt trotzdem bald lösen wird, denn diese Bergregion soll mit den vielen heissen Quellen eine wunderschöne Wanderregion sein.

6 Comments

  1. Viele eindrückliche Bilder und ein interessanter, informativer Reisebericht, nur die Hunde müssen noch lernen Euch zu betreuen, oder in Ruhe zu lassen aber sicher nicht zu attackieren.
    Hoffen wir mit den Armenier, dass sich auch politisch für sie alles zum Guten wendet.
    Nun hoffen wir mit Euch, dass auch der Iran Euch gefallen und viel Positives zeigen wird und erleben lässt.
    Bei uns alles OK, ausser ich musste heute ein 2.x am Auge operiert werden, denke dass es nun gut kommen wird (sehen wie ein Luchs war ja meine Hoffnung).
    Herzliche Grüsse PaMa

  2. Soo spannend und schöne Bilder in Eurem Bericht.
    Wir bleiben dran!
    Weiterhin viel Glück und geniesst Eure Abendteuer-Reise!
    Herzlichst Heid und Roli – Chämleten, Hünenberg See

    1. Hallo Paul, es war super cool mit dir! Grüsse die Schweiz von uns und wir sprechen dann mal auf einer Skitour von Esfahan😀 Andi geniesst gleich das letzte Stück Ovi-Schoggi😂 Besten Dank nochmals! Lg Judith und Andi

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